Hintergrund

Interdisziplinäre Wahrnehmungsforschung

Überblick

Die Arbeiten verbinden 3D-Erfassung und Quantifizierung des Gesichts mit Untersuchungen zu Gesichtsasymmetrie und morphologischer Identifikation anhand von Bildmaterial. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Reliabilität, Beobachtervariabilität und der Trennung von Merkmalseigenschaft und Beobachterurteil.

Von Merkmalen zu Urteilen

Sichtbare Personenmerkmale werden erst dann aussagekräftig, wenn sie unter konkreten Bildbedingungen erkennbar sind und von Beobachtenden genutzt werden. Ob und wie zuverlässig ein Merkmal beurteilt werden kann, ist dabei selbst eine empirische Frage.

Sichtbare Alterungszeichen

Frühere Arbeiten zu 3D-Daten von Kopf und Gesicht befassten sich mit sichtbaren Alterungszeichen, insbesondere Falten-, Furchen- und Linienstrukturen. Diese Materialbasis bleibt wichtig, weil Alterungszeichen zwar sichtbar sind, aber nicht automatisch eindeutige Altershinweise darstellen.

Gesichter als Modell visueller Beurteilung

Gesichter stellen gleichzeitig mehrere potenziell relevante Merkmale bereit, darunter Form, Kontur, Hautstruktur, Ausdruck und Haarmerkmale. Welche davon mit einem bestimmten Urteil zusammenhängen, ist empirisch zu prüfen.

Altersschätzungen, Ähnlichkeitsratings und Gleich-/Verschieden-Entscheidungen sind unterschiedliche Antwortformate. Ihr Vergleich kann helfen, Einflüsse des Stimulus von Einflüssen der jeweiligen Aufgabe und ihrer Entscheidungserfordernisse zu trennen.

3D-Daten und Gesichtsasymmetrie

Aus dem 3D-Gesichtsbestand wurde für die publizierte Asymmetrieuntersuchung eine Stichprobe von 130 Personen im Alter von 9 bis 85 Jahren ausgewertet. Zehn operationalisierte Asymmetriemerkmale beschrieben unter anderem Gesamtachse, Augenachse, Ohrlage, Nase, Mund und Kinn. Die Ergebnisse zeigen zugleich, warum morphologische Häufigkeit und visuelle Auffälligkeit getrennt betrachtet werden müssen: Nicht jede häufige Asymmetrie war mit bloßem Auge deutlich erkennbar.

Bei der gemeinsamen Beurteilung mehrerer Merkmale ist außerdem zu berücksichtigen, dass getrennte Merkmalsbezeichnungen keine statistische Unabhängigkeit garantieren. Gemeinsame anatomische Regionen oder geometrische Referenzen können beobachtete Zusammenhänge mitbestimmen.

Ausgewählte publizierte Vorarbeiten

Lächler, S.; Hirthammer, B. J.; Rösing, F. W. (2020). Quantifying the Asymmetries of the Human Face. HOMO – Journal of Comparative Human Biology, 71(2), 91–99.

Hirthammer, B. J.; Rösing, F. W. (2021). Identifikation von Personen auf Bildern. In: Münchener Anwaltshandbuch Strafverteidigung, 3. Aufl., C.H. Beck, 2901–2916.

Rösing, F. W.; Hirthammer, B. J.; Funke, K. (2013). Bilder als Beweis. Die morphologische Identifikation im Strafverfahren. Richter ohne Robe, 25(1), 7–9.

Untersuchungsbereiche