Methoden

Interdisziplinäre Wahrnehmungsforschung

Methodischer Ansatz

Visuelle Urteile werden als Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess betrachtet.

Ein Stimulus wird kontrolliert präsentiert, eine Antwort wird erhoben, und die Sicherheit dieser Angabe wird miterfasst. Danach lässt sich prüfen, ob die Angaben wiederholbar sind, zwischen Beobachtenden übereinstimmen und zur sichtbaren Bildinformation passen.

Stimulus kontrollieren

Gesichter verändern ihre Wirkung mit Ansicht, Projektion, Bildqualität, Beleuchtung, Ausdruck und zeitlichem Abstand. Diese Bedingungen gehören deshalb zur Untersuchung.

3D-/2D-Material erlaubt es, Ansichten kontrolliert abzuleiten und zu prüfen, welche Hinweise stabil bleiben und welche durch Darstellung oder Perspektive entstehen oder verschwinden.

Urteil erfassen

Beobachterstudien können Altersurteile, Ähnlichkeitsratings, Gleich-/Verschieden-Entscheidungen, Einschätzbarkeit und Konfidenz erfassen. Wiederholte Aufgaben und unabhängige Beobachtergruppen machen sichtbar, ob ein Urteil stabil, geteilt oder stark beobachterabhängig ist.

Gleich-/Verschieden meint die Entscheidung, ob zwei Bilder dieselbe oder verschiedene Personen zeigen. Konfidenz bezeichnet die angegebene Sicherheit.

Neben der Entscheidung selbst werden subjektive Sicherheit, Reaktionszeit, Konsens, Streuung und Wiederholbarkeit erfasst. Sie zeigen, ob ein Eindruck nur plausibel wirkt oder unter gleichen Bedingungen wiederkehrt.

Variabilität auswerten

Unterschiede zwischen Urteilen können aus mehreren Quellen stammen: aus dem Gesicht, der Ansicht, der Bildqualität, der Aufgabe oder der beobachtenden Person. Diese Quellen müssen analytisch getrennt werden, wenn visuelle Urteile nachvollziehbar beurteilt werden sollen.

Dafür eignen sich deskriptive Kennwerte, Reliabilitätsmaße, Regressions- und gemischte Modelle sowie Analysen zur Konfidenz-Kalibration. Dabei wird geprüft, ob hohe Sicherheit auch mit höherer Treffergenauigkeit einhergeht. Ziel ist es, Streuung festzustellen und zu erklären.

Psychologische Auswertungsperspektiven anzeigen

Beobachterdaten zeigen, wie stark Urteile zwischen Personen streuen und wie stabil sie bei wiederholter Messung bleiben. Sie zeigen auch, wie gut Konfidenz und Genauigkeit zusammenpassen und welchen Anteil Stimulus, Perspektive, Bildqualität, Aufgabe und Beobachter an der Varianz visueller Angaben haben.

Damit stellt sich auch eine psychophysikalische Frage: Wie hängen kontrollierte Reizbedingungen mit visuellen Urteilen und deren Sicherheit zusammen?

Entscheidend sind deshalb sichtbare Merkmale, Verarbeitung, Gewichtung, Entscheidungsschwelle und Kalibration der beobachtenden Person.

Unsicherheit und Entscheidungsschwellen

Visuelle Entscheidungen entstehen häufig unter unvollständiger Information. Eine vorsichtige oder unsichere Entscheidung kann deshalb angemessen sein. Umgekehrt kann hohe Sicherheit bei schwacher Informationslage auf Überentscheidung hinweisen.

Entscheidend ist, welches Urteil abgegeben wird und ob seine Sicherheit zur Qualität der sichtbaren Information passt.